Die Entwicklung der Dampfer-Community

Dampfer-Community

Vom Screwdriver Selbstbauprojekt zum Brunhilde RDTA – die Entwicklung der Dampfer-Community

Um die E-Zigarette hat sich in den letzten Jahren eine tolle Community entwickelt, die sich an Stammtischen und in Foren rege austauscht, die Entstehung von Hardware und Liquids aktiv mitgestaltet und sich, beispielsweise über Petitionen, auch politisch engagiert. Von diesen Menschen – von Euch – soll in diesem Beitrag die Rede sein: Die Entwicklung der Dampfer-Community

Hättet Ihr gedacht, dass der quasi erste Akkuträger für E-Zigaretten nicht von einem der großen Hersteller, sondern von einem englischen Tüftler der sich Trog nannte entwickelt wurde? Sicher haben viele von Euch im letzten Jahr mit Interesse das Release des Brunhilde RDTA verfolgt. Dieser Verdampfer entstand auf Betreiben von über 100 Vape-Enthusiasten, die sich als German 103 bezeichnen!

In aller Kürze – Historie der E-Zigarette

Bereits 1963 beantragte der Amerikaner H.A. Gilbert ein Patent für eine von ihm entwickelte, elektronische Zigarette, die jedoch nie produziert wurde. 40 Jahre sollten vergehen, bis 2004 der Entwickler Hon Lik eine E-Zigarette auf den chinesischen Markt brachte, die allerdings mit Ultraschallwellen arbeitete. Als erste E-Zigarette, die nach dem heute etablierten Prinzip mit einer erhitzten Spule arbeitet, darf der 2006 vom englischen Unternehmen Gamucci entwickelte Cartomizer gelten.

Trogs Screwdriver und Flashlight Mods

Wenn sich das neue Produkt auch nicht sofort wie ein Lauffeuer verbreitete, so wurde es doch von vielen Interessierten begeistert aufgenommen. Allerdings reichten vielen Vapern – auch wenn die damals noch nicht so, sondern e-Raucher genannt wurden – die von den Herstellern zur Verfügung gestellten Akkus oft nicht aus. Zum Vergleich: 2007 wurde das Gamucci-Gerät auf dem englischen Markt eingeführt. Bereits Anfang 2009 reviewte GrimmGreen, heute einer der aktivsten Youtuber der Dampfer-Community mit fast 400.000 Abonnenten, Trogs Screwdriver: einen elektrischer Schraubenzieher, der zum Betrieb mit einem Cartomizer umfunktioniert worden war.

Schon mal gefragt, warum der “Mod” so heißt, wie er heißt? Die ersten Mods waren tatsächlich modifizierte, umgebaute Taschenlampen, Schraubendreher oder andere elektronische Geräte, die mit einem wechselbaren Akku betrieben werden konnten! Natürlich erscheint es heute, da leistungsfähige, geregelte und regulierte Geräte am Markt verfügbar sind, leichtsinnig, sein Glück mit Selbstbauten zu versuchen. Sicher war Trog auch kein kompletter Elektronik-Rookie. Spannend aber ist doch eines: Der Akkuträger für E-Zigaretten, ein heute weltweit am Markt etabliertes Produkt, stammt nicht aus dem Entwicklungslabor eines großen Konzerns, sondern aus der Werkstatt eines Bastlers!

Vernetzung der Dampfer-Community über Stammtische und Internetforen

Ideen wie die von Trog und anderen Tüftlern verbreiteten sich einerseits über regionale Dampferstammtische, die zunächst in Kneipen oder im privaten Rahmen organisiert wurden und die bis heute, mittlerweile auch in Vape-Shops, stattfinden und sich großer Beliebtheit erfreuen. Eine große Rolle für die Dampfer-Community spielte natürlich aber auch das Internet mit seinen zahlreichen Social Media Plattformen. Das wohl bekannteste deutsche Forum war das e-rauchen-forum. Der Name wirkt in einer Zeit, in der wir alle nicht müde werden zu betonen, dass Dampfen nicht Rauchen ist, längst überholt. Der Begriff des Dampfens oder Vapens war jedoch zu Zeiten der Gründung schlicht noch nicht etabliert! Mittlerweile wird das Forum übrigens mit passenderem Namen als e-dampfen-forum erfolgreich weitergeführt. Nicht aus der Dampfer-Community wegzudenken sind auch die vielfältigen Aktivitäten auf der Plattform YouTube. Steamshots, der erfolgreichste deutsche Dampfkanal verzeichnet heute 121.000 Abonnenten, Betreiber Thomas Frohnert veröffentlichte seit 2016 fast 700 Videobeiträge.

Von Euphrat bis Brunhilde – Vape Hardware gemacht von der Dampfer-Community

Stärker als in anderen Branchen war und ist es in der Dampfer-Community so, das Anwender die gute Ideen für neue Produkte haben, selbst zu Herstellern und Unternehmern werden, oder eng mit großen Produzenten zusammenarbeiten. Falk Wissendorf, der Entwickler des in der Szene legendären Euphrat RDA war nicht von Hause aus ein Unternehmer, der sich gefragt hat, welches Produkt am Markt funktionieren kann, sondern passionierter Vaper, der den bestmöglichen Verdampfer bauen und ihn auch Gleichgesinnten zur Verfügung stellen wollte. Sein Label Cloud Tip entstand vor diesem Hintergrund. Dass er in der Dampfer-Community bestens vernetzt war und neben seiner eigenen Erfahrungen auch auf die Erkenntnisse anderer Vaper zurückgreifen konnte, dürfte den Euphrat zu dem gemacht haben, was er bis heute ist. Auch etablierte internationale Hersteller greifen gern auf die Expertise der Basis zurück. Kollaborationen, wie die zwischen Mike Vapes und Unternehmen wie Vandy Vapes oder Augvape, oder die Zusammenarbeit von Phil Busardo und Dimitris Agrafiotis mit dem Produzenten Innokin sind keine Seltenheit. Das aktuellste Beispiel für durch Vaper generierte Hardware dürfte der Brunhilde RDTA sein. Anfang 2018 startete der auch als Dampfwolke 7 bekannte Youtuber Martin Hartkopf über Facebook einen Aufruf zur gemeinsamen Entwicklung eines Selbstwickel-Tankverdampfers. Gemeinsam mit 102 Mitstreitern formte er die German 103, die ein Jahr lang an dem Gerät bastelten, tüftelten und entwickelten. Mit der Produktion des Verdampfers wurde der chinesische Hersteller Vapefly beauftragt. Der Rest ist Geschichte.

Vaping Is NOT Tobacco – politisches Engagement

Das Engagement der Dampfer-Community beschränkt sich indes nicht allein auf Produkte und Geräte. Die E-Zigarette – von Außenstehenden nach wie vor oft als neu und vielleicht unsicher wahrgenommen – hatte und hat es bis heute im gesellschaftlichen Diskurs nicht immer leicht. Zur Aufklärung rund um das Dampfen, welches nachweislich entscheidende gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, tragen vor allem auch engagierte Nutzerinnen und Nutzer aus der Dampfer-Community bei. Die Petition der europäischen Bürgerinitiative Vaping Is NOT Tobacco, die sich für eine sinnvolle Regulierung der E-Zigarette losgelöst von Tabakprodukten einsetzt, wurde bis heute von fast 50.000 Menschen europaweit unterzeichnet. Auch Einzelpersonen, wie der in Monheim am Rhein ansässige Blogger Joey Hoffmann mit seinem Blog vapers.guru tragen mit fundierten, gut recherschierten Hintergrundberichten zur objektiven Aufklärung um das Thema bei. Als Mitte des Jahres 2019 in den USA illegal in den Markt gebrachte E-Joints in Deutschland auch der E-Zigarette eine Flut an negativer Berichterstattung bescherten, bemühte sich die Initiative “Dampfen statt Rauchen” um eine objektive Aufarbeitung der Vorfälle.

Laut Statista nutzten allein in Deutschland im Jahre 2017 ca. 3,7 Millionen Menschen regelmäßig die E-Zigarette. Das unabhängige Informationsportal Egarage spricht von 9 Millionen aktiven Dampfern in den USA und gar 31 Millionen US-Bürgern, die die E-Zigarette probiert haben. 

Die Aktivitäten aller Vaper weltweit in einen Bericht zu fassen ist schlicht unmöglich. Wir hoffen, das dieser kurze, schlaglichtartige Beitrag dennoch hilft, die Dampfer-Community als das darzustellen was sie ist: eine lose Gemeinschaft gleichgesinnter, interessierter und engagierter Leute, die sich gemeinsam für ein tolles Produkt begeistern und vielleicht auf die eine oder andere Art mit ihrem Enthusiasmus anstecken. Danke Euch allen, dass Ihr dabei seid!

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