Auf die E-Zigarette umsteigen: Hilfsmittel für Rauchstopp & Tabak Entwöhnung

e-Zigarette und zerbrochene Tabakzigarette

Die elektrische Zigarette kann als Hilfsmittel beim Rauchstopp und der Entwöhnung von Tabakzigaretten entscheidend helfen. Der Umstieg kann auch der Einstieg auf dem Weg zum Nichtraucher sein. Die Effektivität der E-Zigarette als Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung hängt aber auch von jedem selbst ab – und von seinem bisherigen Rauchverhalten und den dazugehörigen Ritualen. Auch sollte man wissen, dass es zwei Arten gibt, eine E-Zigarette zu nutzen: einerseits können Liquids MIT Nikotin verwendet werden und anderseits das Dampfen aromatischer Liquids OHNE Nikotin. Letztere sind für einen erfolgreichen Umstieg von der Tabakzigarette auf die elektrische Zigarette aber eher ungeeignet. Häufig kommt dabei weiterhin die Frage auf, ob und wie die nikotinhaltigen Liquids wirklich als vollwertiger Nikotinersatz fungieren können, damit man die schädliche Tabakzigarette tatsächlich dauerhaft zur Seite legen kann. Denn ein jahrelanger Raucher, der seine tägliche Nikotindosis gewöhnt ist, wird sich kaum mit einer Alternative zufrieden geben, die ihm nicht den vollwertigen Ersatz garantieren kann. Die Antwort ist ein wenig komplexer und die Meinungen gehen hier teilweise weit auseinander. Doch wir haben ein paar Fakten und Tipps für den erfolgreichen Umstieg auf die E-Zigarette für Sie zusammengestellt.

Infografik zu Umsteigern und Dampfern

Auszug aus Infografik “E-Zigaretten und Ihre Nutzer” | InnoCigs-Umfrage aus 2015 “Wer sind die Dampfer?”

E-Zigaretten sind kein herkömmlicher Nikotinersatz

Da man mit E-Zigaretten sowohl nikotinfreie, als auch nikotinhaltige Liquids konsumieren kann, kann man nicht von einem herkömmlichen Nikotinersatz sprechen. War man vorher allerdings starker Raucher war, werden nikotinfreie Liquids, zumindest Anfangs, kaum als vollwertiger Ersatz zur Entwöhnung funktionieren. Den größten Nutzen des Dampfens für den Rauchstopp, sehen viele Umsteiger aber auch ganz woanders:

  1. Man kann die Liquidstärke bzw. den Nikotingehalt dosieren (es gibt unterschiedlich starke Liquids und man kann außerdem mit destilliertem Wasser verdünnen) so kann man sich, im Gegensatz zu herkömmlichen Nikotinersatz Produkten, wie Nikotinpflastern oder Kaugummis, Schritt für Schritt an niedrigere Dosen gewöhnen, bis man schließlich vielleicht sogar auf nikotinfreie Liquids umsteigt.

  2. Die giftigen Nebenprodukte, die beim Verbrennen einer Tabakzigarette entstehen, entfallen beim E-Zigarette Dampfen. Und diese sind immerhin das größte Gesundheitsrisiko, denen man sich beim Rauchen herkömmlicher Tabakzigaretten aussetzt. Mehr Infos zu vermeintlichen Auswirkungen von E-Zigaretten auf die Gesundheit gibt es ebenfalls auf unserem Blog. 

  3. Optik & Haptik einiger E-Zigaretten sind stark an der normalen Zigarette orientiert, was den Rauchern den Umstieg erleichtern soll. Außerdem inhaliert man auch weiterhin einen stark an Rauch erinnernden Nebel, welcher erwiesenermaßen weniger schädlich als Tabakqualm ist. So kann man sich – trotz Entwöhnung  an seine Nutzungsgewohnheiten und Rituale halten, während man das Gesundheitsrisiko trotzdem reduziert. Das erleichtert vor allem die Rauchentwöhnung an sich, weniger das Bedürfnis nach Nikotin.

Das ist vor allem dann spannend, wenn man weiß, dass die größte Gefahr für die Gesundheit durch Rauchen eben nicht vom Nikotin ausgeht, sondern von den Stoffen, die bei der Verbrennung entstehen. Die Funktion & Bestandteile einer E-Zigarette verhindern das, indem sie das Nikotin nicht in Form von Rauch, sondern in Form einer dichten Dampfwolke inhalieren, die beim Auftreffen des flüssigen Liquids auf die erhitzte Heizspirale im Verdampferkopf der E-Zigarette entsteht. Im Grunde geschieht dasselbe, wenn Sie Wasser auf eine heiße Pfanne tropfen lassen. Somit ist die elektrische Zigarette vor allem ein gutes Hilfsmittel sowie eine effektive Unterstützung, um einerseits das Nikotin Stück für Stück zu reduzieren und es schließlich ganz weg zu lassen und andererseits, um dabei nicht auf die Rituale des Rauchens und den Geschmack verzichten zu müssen. Da Optik und Haptik einiger E-Zigaretten (sog. Ciga-Likes) stark an die herkömmliche Zigarette angelehnt sind, kann eine Entwöhnung von der Zigarette und vom Nikotin so also wesentlich leichter erreicht werdenSo zumindest die Argumentation der einen Seite. Fest steht natürlich auch, dass diese Ähnlichkeit zur Zigarette, nicht in jeder Situation pauschal als Hilfe beim Rauchstopp gesehen werden kann und stark vom Typ und vorherigen Rauchgewohnheiten abhängt.

 

Fördert oder mindert die Haptik einer E-Zigarette das Suchtverhalten?

Die Gegner der „E-Zigarette als Mittel zum Rauchstopp“ greifen genau dieses Argument auf und sagen, dass eben diese Anlehnung an die suchttypischen Verhaltensweisen in Bezug auf den Nikotin-Konsum den endgültigen und tatsächlichen Ausstieg erschweren und somit nicht als herkömmliches Mittel zur Rauchentwöhnung empfohlen werden könne. Allerdings lassen die Kritiker dabei die Tatsache außen vor, dass trotz fehlender Langzeitstudien bereits Indizien dafür existieren, dass die E-Zigarette als Unterstützung auf dem Weg zum Nichtraucher wesentlich besser funktioniert als Nikotinkaugummis oder Nikotinpflaster. Denn sie alle vernachlässigen die Tatsache und die Macht der erlernten sozialen Verhaltensmuster in Verbindung mit der Zigarette, z.B. der Griff zur Zigarette in Stresssituationen oder nach einer Tasse Kaffee. Ein Pflaster oder ein Kaugummi kommt diesem Verhaltensmuster nicht nahe genug.

Zugegeben: die vorhandenen und repräsentativen Datenmengen bezüglich der E-Zigarette, die sich mit Rauchentwöhnung und Langzeitauswirkungen beschäftigen, sind nach wie vor ausbaufähig. Nichtsdestotrotz haben viele Probanden eine E-Zigarette als Nikotinersatz wesentlich besser akzeptiert als ein Pflaster oder einen Kaugummi, weil sie beim Dampfen ihre gewohnten Rituale beibehalten können. Suchtexperten warnen hingegen, dass es gerade diese Rituale sind, die das Suchtverhalten weiter verstärken und somit die langfristige Rauchentwöhnung sogar erschweren. Wer Recht hat, entscheiden langfristig die noch nicht vorhandenen Langzeitstudien und Berichte und natürlich Ihre eigenen Erfahrungen. Denn eine allgemein gültige Antwort kann hier nicht geben werden. Doch wir haben schon jetzt ein paar Tipps für den Umstieg von der Zigarette auf das Dampfen der elektrischen Zigarette.

 

So geht’s richtig: der Umstieg auf die E-Zigarette

 

Entscheiden Sie sich richtig – alte oder neue Modelle

Die erste Generation der E-Zigaretten-Modelle erinnerte in Optik und Haptik noch sehr stark an herkömmliche Zigaretten (sog. Cigalikes). Doch da sie im Wesentlichen nichts gemeinsam haben, erschien schon die zweite Generation in Box- und Röhrenform, die sich stark vom typischen „Glimmstängel“ unterscheiden. Was für Sie das richtige ist, hängt von Ihren Ansprüchen ab. Die Modelle, die der Tabakzigarette am ähnlichsten sind, erleichtern im Sinne der Befürworter den Umstieg, da sie es dem ehemaligen Raucher weiterhin ermöglichen, an den alten Ritualen festzuhalten. Die neuen Modelle sind aber wesentlich leistungsstärker, da es bei ihnen nicht um die Anlehnung an die Zigarette geht, sondern um die optimale und effizienteste Form für die reine Funktion einer E-Zigarette. Die boxähnliche Form lässt zum Beispiel mehr Platz für größere Akkus und Liquid-Tanks.

Die erste E-Zigarette – Kaufkriterien

Sie sollte auf jeden Fall ein paar bestimmte Kriterien erfüllen, damit der Genuss beim Umstieg nicht auf der Strecke bleibt. 1. Es sollte eine gute Dampfentwicklung gewährleistet sein, denn der Dampf fungiert auch als Geschmacksträger. 2.Der Akku sollte leistungsstark genug sein, damit Sie ihn nicht alle paar Stunden aufladen müssen, sondern eine Aufladung bei normalem Konsum zumindest einen Tag hält. Denn versagt der Akku außergewöhnlich schnell, dürfte Ihnen die Lust am Dampfen schnell wieder vergehen.

Zugtechnik beachten

Schon beim ersten Zug an der neuen E-Zigarette dürfte klar werden, dass es, unabhängig von der Optik, einen großen Unterschied zur Zigarette gibt. Hier führt das langsame, gemütliche und kontinuierliche Ziehen zum optimalen Geschmack. Das stoßartige Ziehen, wie bei der Tabakzigarette, ist also passé. Grund: bei der E-Zigarette findet keine Verbrennung, sondern eine Verdampfung statt, wobei das Ziehen am Mundstück die Liquids auf die Heizspiralen treffen lässt. Je kürzer und ruckartiger Sie ziehen, desto weniger Zeit haben die Liquids zum Verdampfen. Die anschließende Inhalation obliegt dabei Ihrem persönlichen Empfinden. Einige Dampfer sammeln den aromatischen Nebel in der Mundhöhle, bevor sie ihn dann in die Lunge ziehen, während andere kontinuierliche Lungenzüge bevorzugen.

Für Abwechslung sorgen & Liquid Geschmacksrichtungen testen

So wird Ihnen während des Umsteigens nicht langweilig, während es außerdem den positiven Nebeneffekt gibt, dass man einen großen Unterschied zur Zigarette erkennt: die Vielfalt an Aromen, egal ob mit Nikotin, oder ohne. Viele E-Zigaretten Neulinge greifen anfangs zu Liquids mit Tabak-Aroma, wahrscheinlich aus Gewohnheit. Doch meist dauert es nicht lange und sie tasten sich zu fruchtigen Aromen oder speziellen Geschmacksrichtungen, wie zum Beispiel Bubble Gum und Cola, vor.

Die Liquidstärke – wie viel Nikotin?

Viele Umsteiger machen einen entscheidenden Fehler, vor allem, wenn man die E-Zigarette als Nikotinersatz sieht. Sie entscheiden sich für eine Liquid-Variante, die weniger Nikotin enthält als die normale Zigarette. Eigentlich logisch, denn man möchte ja langfristig entwöhnt werden. Doch dabei vergessen sowohl Kritiker als auch Einsteiger ein entscheidendes Detail: im Vergleich zum Rauch der normalen Zigarette gibt der E-Zigaretten Dampf nur 1/3 der Menge an Nikotin an den Körper ab. Somit bleibt der erhoffte Effekt aus und man beginnt häufig, am Dampfen zur Rauchentwöhnung zu zweifeln. Das verhindern Sie, indem Sie anfangs zu Liquids mit höherem Nikotingehalt greifen. Behalten Sie zusätzlich immer im Bewusstsein, dass der größte Schaden beim Rauchen von der Verbrennung ausgeht, nicht vom Nikotin, bevor Sie wieder zum Glimmstängel greifen.

Was ist mit Liquids ohne Nikotin?

Zuerst müssen wir darauf hinweisen, dass auch das Dampfen von Liquids ohne Nikotin, nicht die komplett gesunde Alternative zum Rauchen ist. Grund dafür ist aber nicht, dass das gesundheitliche Risiko des Dampfens bereits bewiesen wäre, sondern nur, dass die Erfahrungen aus Langzeitstudien aktuell noch nicht vorliegen. Und Vorsicht geht natürlich vor. Fest steht aber, dass beim Dampfen, ob mit oder ohne Nikotin, 95 % weniger Schadstoffe entstehen als beim Verbrennen von Tabak. Denn eine E-Zigarette enthält schlichtweg keinen Tabak; inkl. aller dazugehörigen Neben- und Abfallprodukte. Falls Sie Raucher sind, der umsteigen möchte und zwar nicht auf Light-Zigaretten oder Nikotinpflaster, sondern auf die E-Zigarette, sollten Sie sich zu Beginn für Liquids mit Nikotin entscheiden und dann die Menge langsam reduzieren. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Nikotinersatz Produkten ist der Nikotingehalt variabel.

Fazit: Die Frage, ob man mit Unterstützung der Elektrozigarette ohne Nikotin vom Rauchen abkommen kann, können wir also mit „ja“ beantworten, solange es im Rahmen einer ergänzenden Entwöhnungsstrategie umgesetzt wird. Jedoch ist das alleinige Dampfen von E-Zigaretten, ohne begleitende Strategie, keineswegs ein Garant und vor allem auch kein wesentlich einfacherer Weg zur Rauchentwöhnung, da sie wie jeder anderer Nikotinersatz eben auch vom Konsumenten als vollwertiger Ersatz akzeptiert werden muss. Und dabei haben vor allem Verhaltensmuster und Suchtgrad ein großes Mitspracherecht. Denn ein Raucher wird auch dann in alte Verhaltensmuster zurückfallen, wenn ein Kaugummi oder ein Liquid zwar die gewohnte Menge an Nikotin enthält, aber er nicht das gleiche Erlebnis und die gleichen Rituale damit verbindet wie mit dem Glimmstängel. Pauschaler Nikotinersatz ist die E-Zigarette also nicht; eine Hilfe für diejenigen, die trotz Beibehaltung ihrer Gewohnheiten die Nikotin-Dosis reduzieren möchten, aber schon.

 

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