Sachstand zu Lungenerkrankungen in den USA: Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse (EVALI)

Seit August 2019 liegen Berichte über Lungen- und Atemwegserkrankungen in den USA vor, die unter dem Begriff EVALI zusammengefasst werden. Da ein Teil der Betroffenen angab, E-Zigaretten oder ähnliche Produkte genutzt zu haben, untersuchten US-Behörden einen möglichen Zusammenhang. Im Folgenden werden die behördlichen Erkenntnisse, die Situation in Deutschland und der aktuelle Sachstand zur Regulierung von E-Zigaretten dargelegt.

Berichterstattung und Informationslage

In der medialen Darstellung werden oft Zusammenhänge zwischen der Nutzung von E-Zigaretten und gesundheitlichen Vorfällen thematisiert, wie beispielsweise im Artikel “Sie rauchten E-Zigarette und erkrankten”. Für eine sachliche Einordnung ist die Betrachtung der zugrunde liegenden Substanzen und der jeweiligen Marktregulierung erforderlich.

Fakt ist: Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England veröffentlichte im März 2018 eine Stellungnahme zum relativen Risikoprofil von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten. 1

Regulierung in der EU und Deutschland

Berichte wie jene im Spiegel thematisieren die Verfügbarkeit zahlreicher Geräte und weisen auf Risiken durch unregulierte Kanäle hin. Die rechtliche Situation in der Europäischen Union unterscheidet sich jedoch grundlegend von anderen Märkten.

Fakt ist: In Deutschland und der EU unterliegen E-Zigaretten der Tobacco Products Directive (TPD2). Diese Richtlinie schreibt vor, dass Inhaltsstoffe von Liquids sechs Monate vor dem Inverkehrbringen den Behörden gemeldet werden müssen. Bestimmte Inhaltsstoffe sind gesetzlich verboten. 2

Untersuchungsergebnisse zu Inhaltsstoffen (EVALI)

Behördliche Untersuchungen ergaben, dass ein Großteil der Erkrankten in den USA Flüssigkeiten konsumierte, die THC enthielten. Während THC-haltige Lösungen in Teilen der USA unter länderspezifischen Regelungen stehen, sind diese in Deutschland in E-Zigaretten-Produkten nicht zulässig. Analysen der CDC identifizierten in Proben vom Schwarzmarkt Substanzen wie Vitamin-E-Acetat. 3

Fakt ist: Das deutsche Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG) legt fest, dass für Liquids nur Inhaltsstoffe verwendet werden dürfen, die den gesetzlichen Reinheits- und Sicherheitsanforderungen entsprechen. 6

Technische Differenzierung

Der Begriff E-Zigarette umfasst technisch unterschiedliche Systeme. Entscheidend für die Sicherheit ist die Verwendung der vom Hersteller vorgesehenen Flüssigkeiten. Reguläre E-Zigaretten sind nicht für das Verdampfen von Ölen oder illegalen Substanzen konzipiert.

Fakt ist: Behördliche Berichte aus den USA brachten die Vorfälle primär mit dem Konsum von Produkten aus unkontrollierten Quellen in Verbindung. 7 8

Einordnung der Langzeitnutzung

In Medien wie focus.de wurde über potenzielle Auswirkungen diskutiert. Dabei wird die E-Zigarette seit über 15 Jahren international genutzt.

Fakt ist: Bis zum Auftreten der spezifischen Fälle in den USA im Jahr 2019 wurden in diesem Umfang keine vergleichbaren Krankheitsbilder bei der Nutzung regulärer, nikotinhaltiger E-Zigaretten dokumentiert.

Identifizierte Auslöser

Berichte in der Süddeutschen oder der Welt nannten die Ursachen anfangs ungeklärt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC konkretisierte später die Ergebnisse der Untersuchungen. 9

Fakt ist: Als wahrscheinlicher Auslöser der EVALI-Fälle gilt laut CDC und Berichten im aerzteblatt.de Vitamin E-Acetat, welches in illegalen THC-Vaporizern als Streckmittel genutzt wurde. 10 11 Eine Studie der Mayo-Klinik konnte keine direkte Verbindung zwischen den Krankheitsbildern und der Nutzung ausschließlich regulärer E-Zigaretten feststellen. 13

Empfehlungen der Behörden

Fachhändler informieren über die korrekte Handhabung von Geräten und Liquids. Internationale Behörden wie die FDA, die CDC und Public Health England haben sich zur Risikowahrnehmung geäußert. 15 Spiegel Online berichtete am 30.10.2019 über die statistischen Folgen einer veränderten Risikoeinschätzung bei Konsumenten. 16

Fazit zu den Fällen von Lungenerkrankungen in den USA

Die Untersuchung der Krankheitsfälle in den USA durch die CDC hat Vitamin E-Acetat in illegal erworbenen THC-haltigen Produkten als eine Hauptursache identifiziert. Bezeichnungen wie “Lungenkollaps wegen E-Zigarette” in Publikationen wie der Bunte fassen komplexe medizinische Sachverhalte oft verkürzt zusammen. Für die Bewertung des Risikoprofils ist die Unterscheidung zwischen regulär erworbenen Produkten nach EU-Standard und Produkten aus unkontrollierten Quellen maßgeblich.

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Titelbild: © Fotolia / Oleksandr

One thought on “Sachstand zu Lungenerkrankungen in den USA: Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse (EVALI)

  1. Mokumba

    Das ganze wirkt auf mich, wie eine gezielte Campagne! Da wir in D so oder so auf dem Weg zu einer gepflegten Verbots-Kultur sind, werden die ersten lauten Rufe bald losgehen. Einzelne Politiker haben ja schon ihr Unverständnis darüber angezeigt, dass unsere Dampfen und Liquids nicht mit hohen Steuern belegt sind! Will das hier nicht beschreien, aber…..

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