Mysteriöse Lungenerkrankungen in den USA – Gemütslage und Faktenlage

Seit dem letzten Augustwochenende tauchen in den Medien vermehrt Berichte über ungeklärte Lungen- und Atemwegserkrankungen in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Da viele Betroffene Nutzer von E-Zigaretten sind, stellen einige der Meldungen einen Zusammenhang zwischen der Anwendung regulärer E-Zigaretten und dem Auftreten der Krankheitsfälle her. Was berichtet wird, wie sich die Situation in Deutschland darstellt und vor allem wie die gesicherten Fakten zur E-Zigarette aussehen erfahrt Ihr in diesem Blogbeitrag!

 

Medienberichterstattung funktioniert Online wie Offline nach einem bestimmten Prinzip: Eine Schlagzeile weckt das Interesse des Lesers. Weiter unten im Text erfährt dieser dann, was wirklich geschehen ist und was darüber gesichert bekannt ist. Das Problem: Nicht jeder, der im Vorbeigehen oder beim Durchklicken eine Überschrift wahrnimmt, liest den entsprechenden Artikel dann auch bis zum Ende. Bei einem Opener wie “Sie rauchten E-Zigarette und erkrankten” mag dem Leser im Hinterkopf bleiben, das E-Zigaretten problematisch und gesundheitsgefährdend sind.

Fakt ist: Laut einer Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England aus dem März 2018 sind E-Zigaretten gegenüber der klassischen Tabakzigarette die zu mindestens 95% weniger schädliche Alternative. 1

 

Auch in den deutschen Medien wird partiell von 500 bis 600 verschiedenen Geräten am regulären Markt und einem unkontrollierten Schwarzmarkt für den Bezug von Liquids gesprochen. Nahegelegt wird hier der Gedanke, dass E-Zigaretten-Produkte in großer Zahl unreguliert in den Markt gelangen. Ob diese Situation für die Vereinigten Staaten von Amerika so zutrifft oder nicht – auf Deutschland und die Europäische Union ist sie nicht übertragbar.

Fakt ist: Alle in Deutschland und der gesamten Europäischen Union am Markt befindlichen E-Zigaretten-Produkte sind gemäß der EU-weit gültigen Tobacco Products Directive eindeutig reguliert. Gesundheitlich bedenkliche Zutaten in Liquids sind verboten. Zudem werden E-Zigaretten-Produkte sechs Monate vor dem Inverkehrbringen zusammen mit Emissionstests zur Prüfung bei den EU-Behörden eingereicht, um Risiken auszuschließen. 2

 

Die meisten der hier behandelten Artikel berichten übereinstimmend, dass die jetzt erkrankten Personen Flüssigkeiten verdampft hätten, welche die psychoaktive, zu den Cannabinoiden zählende Substanz THC enthielten. THC-haltige Lösungen sind in einigen Bundesstaaten der USA legal, in anderen nicht. In Deutschland sind sie generell verboten. Allerdings ist auch ein Zusammenhang zwischen dem beispielsweise in Kalifornien legalen THC und den beschriebenen Symptomatiken wissenschaftlich nicht belegbar. Angenommen wird daher, dass die betroffenen Personen THC-haltige Flüssigkeiten auf dem Schwarzmarkt erworben haben. In diesen Substanzen wurden bei Inhalation höchst-giftige Öle und Vitamin-E-Acetate festgestellt. 3 Eine entsprechende Warnung veröffentlichte Edward D. Hill vom Department of Public Health, County of Kings, California. 4 5  

Fakt ist: Laut dem bundesdeutschen Gesetz über Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse (TabakerzG) dürfen bei der in E-Zigaretten zu verdampfenden Flüssigkeit außer Nikotin nur Inhaltsstoffe verwendet werden, die in erhitzter und nicht erhitzter Form kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. 6

 

Der Begriff E-Zigarette wird im medialen Diskurs generell und themenunabhängig recht pauschal und verallgemeinernd gebraucht. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Modellen mit unterschiedlichsten Bauweisen, Leistungen und Schutzfunktionen. Entscheidender als die technische Ausstattung eines Gerätes ist jedoch, welche Substanzen damit konsumiert werden. E-Zigaretten werden speziell zur Nutzung mit explizit dafür geeigneten Liquids produziert. Für das Vaporisieren von Ölen oder anderen Substanzen sind die Geräte weder gedacht noch ausgelegt.

Fakt ist: Bei keinem der aus den USA bekannt gewordenen Fälle konnte die Verwendung einer regulären E-Zigarette als Ursache für das auftreten der Krankheitssymptome nachgewiesen werden. Die überwiegende Zahl der Betroffenen räumte den Konsum illegal erworbener Drogen (E-Joints) ein. 7 8

 

Zu lesen sind, beispielsweise auf focus.de, Textpassagen in denen anklingt, nachdem die ersten Fälle in den USA bekannt geworden sind könnte möglicherweise eine Vielzahl vergleichbarer Fälle aus anderen Teilen der Welt vermeldet werden. Das liest sich, als sei die E-Zigarette ein komplett unbekanntes Produkt, welches erst seit Kurzem und in wenigen Regionen überhaupt erhältlich ist und über dessen Anwendung und die daraus resultierenden Auswirkungen nicht das geringste bekannt sei.

Fakt ist: Seit über 15 Jahren werden in vielen Ländern der Welt E-Zigaretten von Millionen von Menschen genutzt, ohne das bislang vergleichbare Krankheitsfälle bekannt geworden sind.

 

Anfänglich wurde vielfach von “rätselhaften” (Süddeutsche), “dubiosen” (Welt) oder “unbekannten” (Spiegel) Lungenleiden berichtet. Dass die Ursachen der Erkrankungen “noch nicht belegt” seien benannte auch focus.de im Artikel vom 23.08.2019. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC teilte seinerzeit mit, man habe “bislang kein bestimmtes Produkt ausfindig machen können, das mit allen Erkrankungen in Verbindung stehe”. 9 Mittlerweile wurden illegale Schwarzmarkt-Flüssigkeiten untersucht. In den Proben konnten Pestizide, Vitamin E-Acetat und ein Fungizid nachgewiesen werden.

Fakt ist: US-Amerikanische Ärzte und Wissenschaftler haben bislang keine abschließende Erklärung für das plötzliche Auftreten der beschriebenen Erkrankungen. Als wahrscheinlicher Auslöser gilt jedoch laut NBC News Vitamin E-Acetat. Auch das deutsche Fachmagazin aerzteblatt.de meldet in seiner Mitteilung von 11. November, dass sich die Hinweise auf Vitamin E-Acetat als Auslöser verdichten. 10 11 Eine Verbindung der Vorfälle mit regulären, nikotinhaltigen Liquids kann einer Studie der Mayo-Klinik zufolge nicht hergestellt werden. 12 13

 

Gesagt werden muss fairerweise, dass in keinem uns vorliegenden Artikel explizit von der Nutzung der E-Zigarette abgeraten wird. Natürlich legen aber Überschriften, Subtext und nicht nachgewiesene Zusammenhänge an mehreren Stellen nahe, dass das Thema Dampfen schwierig sei, das man als interessierter Tabakumsteiger unsicher sein müsse welche Geräte, welches Zubehör man bekomme und dass es schwer sei an gesicherte Informationen zu kommen.

Fakt ist: Eine fundierte, kompetente Beratung wie sie durch autorisierte E-Zigaretten-Händler in Deutschland angeboten wird hilft Ihnen, das für Sie geeignete Gerät, das für Sie passende Liquid in der richtigen Nikotinstärke zu finden, wenn Sie den erfolgreichen Tabakstopp anstreben. Viele Shops bieten die Möglichkeit, Geräte und Liquids vor Ort unverbindlich zu testen. Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung steht einer rauchfreien Zukunft mit der wesentlich weniger schädlichen E-Zigarette dann nichts mehr im Wege! Sowohl die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA), die US-Bundesbehörde Centers of Disease Control (CDC) als auch die britische Regierungsagentur Public Health England fordern Vaper in Statements dazu auf, keinesfalls aus Angst zur Nutzung der Tabakzigarette zurückzukehren. 14 15  Auch in Deutschland bringt Spiegel Online in seinem Artikel vom 30.10.2019 auf den Punkt: “Offenbar wechseln in diesen Wochen Tausende deutsche Dampfer zurück zur Tabak-Kippe – aus Angst, ihrer Gesundheit zu schaden. Manche werden das mit ihrem Leben bezahlen.” 16

 

Fazit zu den aktuell auftretenden Fällen von Lungenerkrankungen in den USA

 

Das jeder einzelne Fall eines ernsthaft erkrankten Menschen tragisch und bedauerlich ist, muss nicht betont werden. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Nutzung von E-Zigaretten und dem Auftreten der mit “Atemnot”, “Atembeschwerden”, “Brustschmerzen” “Durchfall” und “Erbrechen” beschriebenen Symptomatik (Proplanta) kann jedoch nicht hergestellt werden. Tatsächlich tut dies auch keiner der zitierten Berichte. Allein das plötzliche, massive Auftreten der entsprechenden Berichterstattungen, verbunden mit plakativen Überschriften wie “Lungenkollaps wegen E-Zigarette” (Bunte) impliziert, gerade beim flüchtigen Leser, einen Zusammenhang, der so auch von den behandelnden Ärzten der betroffenen Patienten nicht belegt wird. Schade ist, dass auf diese Weise die weniger schädliche, rauchfreie Alternative zur nachweislich krebserregenden Tabakzigarette einmal mehr, gerade in der breiten Öffentlichkeit, in ein schlechtes Licht gerückt wird – sei es bewusst oder der schnellen Schlagzeile wegen – ungeachtet der gesundheitlichen Vorteile die sie nachgewiesenermaßen für erwachsene Raucher bietet.

Bildnachweis:

Titelbild: © Fotolia / Oleksandr

One thought on “Mysteriöse Lungenerkrankungen in den USA – Gemütslage und Faktenlage

  1. Mokumba

    Das ganze wirkt auf mich, wie eine gezielte Campagne! Da wir in D so oder so auf dem Weg zu einer gepflegten Verbots-Kultur sind, werden die ersten lauten Rufe bald losgehen. Einzelne Politiker haben ja schon ihr Unverständnis darüber angezeigt, dass unsere Dampfen und Liquids nicht mit hohen Steuern belegt sind! Will das hier nicht beschreien, aber…..

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