Mythos Popcorn-Lunge: Diacetyl in E-Liquids

Schiefertafel mit der chemischen Formel von Diacetyl

Die folgenden drei Begriffe werden seit Dezember 2015 häufig im Zusammenhang genannt: E-Zigaretten, Diacetyl und die Bronchiolitis obliterans (umgangssprachlich „Popcorn-Lunge“). In diesem Artikel werden aktuelle Erkenntnisse und Studien gegenübergestellt, um eine sachliche Einordnung der Thematik zu ermöglichen. Viele Nutzer von E-Zigaretten befassen sich mit der Fragestellung einer möglichen Verbindung zwischen diesen Begriffen. Am 09.12.2015 veröffentlichte Stern.de einen Artikel mit dem Titel „Gefährliche Chemikalien in E-Zigaretten gefunden“. Kurze Zeit später folgten weitere Medienberichte. Diese bezogen sich auf eine Untersuchung von Forschern der Harvard University, die sich mit Diacetyl in E-Zigaretten-Liquids befasste. In der von der Harvard School of Public Health veröffentlichten Studie wurde jedoch darauf hingewiesen, dass ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Nutzung der getesteten Produkte und der Atemwegserkrankung nicht nachgewiesen wurde.

Einordnung der Berichterstattung

In der medialen Darstellung wurden häufig Begriffe wie „giftig“ oder „gesundheitsgefährdend“ verwendet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aus einer Vielzahl auf dem US-Markt verfügbaren Liquids lediglich 51 Proben untersucht wurden. Von diesen 51 Proben waren 33 frei von Diacetyl oder wiesen lediglich geringe Mengen von etwa 2,3 Mikrogramm (µg) auf. Viele europäische Hersteller deklarieren bereits seit längerer Zeit den Verzicht auf Diacetyl in ihren Rezepturen. Die übrigen 18 Proben zeigten einen durchschnittlichen Gehalt von rund 9 µg. Zur Einordnung dieser Werte dient ein Vergleich mit herkömmlichen Tabakzigaretten. Untersuchungen, unter anderem eine Analyse von Prof. Michael Siegel (Boston University), weisen darauf hin, dass die in Tabakrauch enthaltene Menge an Diacetyl deutlich über den in der Harvard-Studie gemessenen Werten der 18 Liquids liegen kann. Prof. Jean-Francois Etter von der Universität Genf kritisiert in diesem Zusammenhang eine unpräzise Berichterstattung, da diese die Wahrnehmung der relativen Risiken beeinflussen kann.

„Es besteht das Risiko, dass Nutzer aufgrund unvollständiger Informationen nicht auf potenziell weniger schädliche Alternativen umsteigen.“
– Quelle: https://www.watson.ch/Front/articles/631115033-Keine-Panik%2C-liebe-Raucher%3A-Ihr-dürft-auf-E-Zigis-umsteigen

Was ist eine Bronchiolitis obliterans?

Der Begriff „Popcorn-Lunge“ entstand im Kontext der Produktion von Mikrowellenpopcorn. In diesem Bereich wird Diacetyl als Aromastoff eingesetzt, um einen Buttergeschmack zu erzielen. Um das Jahr 2005 wurde bei Mitarbeitern in entsprechenden Fabriken eine Häufung der Bronchiolitis obliterans (BO) festgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Bronchiolen. Die Bezeichnung der Erkrankung steht somit primär in einem industriellen Kontext. Es wird wissenschaftlich diskutiert, ab welcher Konzentration und Expositionsdauer ein gesundheitliches Risiko besteht. Viele für den europäischen Markt produzierte Liquids enthalten kein Diacetyl.

Datenvergleich

In den untersuchten Liquids, die Diacetyl enthielten, wurde ein Durchschnittswert von 9 µg ermittelt. Im Vergleich dazu enthalten herkömmliche Tabakzigaretten Schätzungen zufolge zwischen 301 und 433 µg Diacetyl pro Stück. Ein Konsument von 20 Tabakzigaretten am Tag nimmt somit eine Menge zwischen 6.020 und 8.660 µg auf. Die Harvard-Studie gab für das am höchsten belastete Liquid einen Wert von 230 µg an. Es liegen wissenschaftliche Analysen vor, die einen direkten Zusammenhang zwischen den in Liquids gefundenen Mengen und dem Ausbruch einer BO nicht bestätigen können.

Grenzwerte und Risikobewertung

In Fachanalysen zur Harvard-Studie wird teilweise ein Wert von 2.864 µg als Schwelle genannt, ab der ein erhöhtes Risiko für berufsbedingte Erkrankungen in der Produktion diskutiert wird. Ein Umsteiger, der zuvor 20 Tabakzigaretten konsumierte (ca. 6.020 bis 8.660 µg Diacetyl), reduziert die tägliche Aufnahme bei Nutzung von diacetylhaltigen Liquids laut den Daten der Harvard-Studie signifikant. Studien wie „Diacetyl and 2,3-pentanedione exposures associated with cigarette smoking“ (NCBI) untersuchten die Verbindung zwischen diesen Stoffen und der Erkrankung BO, konnten jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang im Bereich des Rauchens belegen.

Regulierung in Europa

In Europa unterliegen E-Zigaretten und Liquids strengen regulatorischen Anforderungen. Die EU-Tabakrichtlinie (2014/40/EU), die in Deutschland durch das Tabakerzeugnisgesetz umgesetzt wurde, regelt die Inhaltsstoffe und Meldepflichten für diese Produkte. Viele Hersteller verzichten im Rahmen ihrer Qualitätsstandards auf den Einsatz von Diacetyl als Inhaltsstoff. Dies bietet Verbrauchern eine zusätzliche Sicherheit hinsichtlich der Zusammensetzung der Produkte.

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Bildnachweise:

  1. Titelbild: fotolia #87379009 / Zerbor

One thought on “Mythos Popcorn-Lunge: Diacetyl in E-Liquids

  1. Dominik

    Ich finde eure Produkte und Aufklärungsarbeit genial!
    Schon oft konnte ich skeptische Zungen mit Argumenten Mundtot machen, durch das hier präsentierte Wissen.

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