Ärzteschaft fordert Richtungswechsel bei Tabak-Prävention

Nach Berichten über den Kurswechsel der amerikanischen FDA und den Suchtbericht der Bundesregierung 2017 thematisiert die Ärzteschaft nun die Rolle der E-Zigarette im Kontext der Tabak-Prävention und fordert eine Neuausrichtung der politischen Strategien.

  • „Diskussion um den aktuellen Kurs der Tabak-Prävention und die Rolle der E-Zigarette in der Politik.“
  • „Kritik an Marktstrukturen: Experten äußern sich zur Dynamik zwischen Tabakindustrie und E-Zigaretten-Sektor.“

Diese Punkte werden in einem Artikel der Deutschen Ärztezeitung behandelt, der unter dem Titel „E-Zigaretten: Plädoyer für einen Richtungswechsel in der Präventionspolitik“ erschien. Der Beitrag befasst sich mit den Einschätzungen von Prof. Dr. Heino Stöver und dem Gesundheitswissenschaftler Dietmar Jazbinsek zur deutschen Gesundheitspolitik. Beide formulieren darin Ansätze für eine regulatorische Neuausrichtung in Bezug auf Nikotinprodukte und E-Zigaretten.

Einordnung der E-Zigarette in der Präventionspolitik

Die Experten regen an, dass die Bundesregierung die Positionierung der E-Zigarette überprüft und eine sachbezogene Informationspolitik verfolgt, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen des Nikotinkonsums deutlicher herausstellt.

„Das Potenzial der E-Zigarette innerhalb der Präventionsstrategien könne laut Stöver und Jazbinsek durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen unterstützt werden.“ – zitiert nach dem Ärzteblatt

Die Fachleute weisen darauf hin, dass auf Informationsportalen wie „rauchfrei“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine differenziertere Darstellung der E-Zigarette notwendig sei. Während dort primär klassische Ersatzprodukte genannt werden, plädiert Prof. Heino Stöver für eine sachliche Aufklärung über die Merkmale des Dampfens.
Zudem werden Vorschläge an die Politik formuliert:

  • Differenzierte steuerliche Behandlung von E-Zigaretten im Vergleich zur Tabakzigarette
  • Anpassung der Werberegularien für verschiedene Produktgruppen
  • Unterscheidung zwischen Rauch- und Dampfbereichen in der Gastronomie

Ziel dieser Maßnahmen sei es, die systemischen Unterschiede zwischen der E-Zigarette und der Tabakzigarette deutlicher abzubilden, wie sie auch Gegenstand verschiedener Untersuchungen zur E-Zigarette sind.

Strukturwandel im Markt für E-Zigaretten

Gesundheitsexperte Dietmar Jazbinsek äußert sich zudem zur Marktentwicklung. Er thematisiert den Einstieg von Großunternehmen der Tabakindustrie in den Sektor der E-Zigaretten und Tabakerhitzer unter dem Aspekt der sogenannten Schadensminimierung (harm reduction).
Er beschreibt dies als Versuch, die Wettbewerbssituation für kleine und mittelständische Unternehmen der Branche zu verändern. Vor diesem Hintergrund betonen die Experten die Notwendigkeit, zwischen den Kategorien der E-Zigaretten und Tabakerhitzer (Heated Tobacco) klar zu unterscheiden, da diese unterschiedliche technische und regulatorische Merkmale aufweisen.
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